Veranstaltungen

[27.11.14] Zu groß für Europa – deutscher Nationalismus revisited.

Referentin: Anika Baunack
Raum: Von-Melle-Park 5 (WiWi-Bunker) Hörsaal A
Donnerstag, 27. November 2014, 18:30 Uhr

„Wir sind alle Weltmeister!“ rief Fußball-Bundestrainer Joachim Löw bei der Siegesfeier anlässlich der gewonnen Weltmeisterschaft 2014 den jubelnden Massen am Brandenburger Tor entgegen. Er sprach damit nicht nur den anwesenden Fußballfans aus dem Herzen, sondern brachte auch das nationale Selbstverständnis der Deutschen im Jahr 2014 auf den Punkt. Stellte die Fußball-WM 2006 noch einen Tabubruch dar bezüglich eines „entkrampften Nationalismus“ der Deutschen, schien der errungene Titel der WM 2014 die deutsche Nation auf der Höhe ihrer Macht in Europa symbolisch zu krönen, und damit indirekt alle die sich zu ihr bekennen. Der Vortrag widmet sich vor dem Hintergrund der derzeit hegemonialen Position Deutschlands in Europa der Frage nach den Charakteristika des aktuellen deutschen Nationalismus und seiner Entwicklung seit der letzten Fußball-WM 2006. Hat sich das Konzept nationaler Identität in Deutschland seit dem „Sommermärchen“ verändert? Und wenn ja, wie? Auch der aggressive deutsche Nationalismus, der derzeit relativ unverhohlen im Hinblick auf das Europa der Krise im öffentlichen Diskurs verbreitet wird, sowie Tendenzen der Renationalisierung in Europa werden dabei in den Blick genommen.

[02.12.14] Völkische Verbindungen – Beiträge zum deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich.

Referent_innen:Herausgeber_innen „Völkische Verbindungen – Beiträge vom deutschnationalen Korporationsunwesen in Österreich
Raum: Von-Melle-Park 5 (WiWi-Bunker) Hörsaal A
Dienstag, 02. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Bereits zum 60. Mal jährte sich 2014 die Veranstaltung des Balls des Wiener Korporationsrings, einem Dachverband deutschnationaler, national-liberaler und extrem rechter wiener Burschenschaften, Corps und Landsmannschaften. Die Bedeutung dieses Balls ergab sich jedoch nicht nur dadurch, dass deutschnationale Burschenschaften in Österreich wahrlich kein marginalisiertes gesellschaftliches Randphänomen, sondern vielmehr ein Verbindungsglied zwischen dem parteiförmigen Rechtsextremismus im Parlament in Form der FPÖ und des organisierten Neonazismus darstellen. Hinzu kam die über einige Jahre andauernde große Präsenz internationaler Größen des Rechtsextremismus, die deutlich machte, dass der Ball auch als Vernetzungsort der europäischen Rechten fungierte. So nahmen in den vergangenen Jahren VertreterInnen von Parteien wie dem Front National oder Pro NRW teil. Die Repressionen der Polizei gegen die Proteste, insbesondere die Inhaftierung von Josef S. aus Jena, haben in diesem Jahre eine neue Dimension erreicht.
Im Rahmen einer Präsentation der Neuauflage der Broschüre „Völkische Verbindungen“ soll der gesellschaftliche Einfluss von Burschenschaften in Österreich, ihre Geschichte, Brauchtum und psychosoziales Profil nachgezeichnet und die Notwendigkeit gegen die elitären Männerbünde vorzugehen aufgezeigt werden. Zudem wird im Vortrag über die bisherigen sowie die geplanten Proteste gegen den „Akademiker-Ball“ 2015 informiert.

[08.12.14] Die Identitären – Buchvorstellung.

Referent: Kathrin Glösel, Natascha Strobl, Julian Bruns
Raum: T-Stube, Allende-Platz 1
Montag, 08. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Die Identitären, deren Anfänge um das Jahr 2002 auszumachen sind, verstehen sich als Jugendbewegung der ›Neuen Rechten‹ in Europa. Seit der Initialzündung in Frankreich haben sich u.a. in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Großbritannien, Spanien sowie Dänemark, Schweden und Norwegen Ablegergruppen gegründet. Basierend auf Text-, Bild- und Videomaterial, den Gruppen-Standpunkten, Gesellschaftsanalysen und Schlussfolgerungen analysieren die Autor_innen Ideologie, Aktionismus und Netzwerke der Aktivist_innen. Das Buch beleuchtet die Verbreitung in Europa, die Verortung der Identitaeren in der ›Neuen Rechten‹, ihre Ideologien und deren historisch-theoretischen Unterbau, die Kommunikationsstrategien sowie ihre Qualifikation als Jugendbewegung. In einem Vortrag werden Chronologie, Referenzen, Ideologie und
Aktivist_innen vorgestellt.

[11.12.14] Die Debatte um „Armutsmigration“ in Zeiten der Krise in Europa.

Referent: Sebastian Friedrich
Raum: Von-Melle-Park 5 (WiWi-Bunker) Hörsaal A
Donnerstag, 11. Dezember 2014, 18:30 Uhr

Seit dem 1. Januar 2014 gilt in der EU die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für Bürger_innen der EU-Staaten Rumänien und Bulgarien. Das geht der CSU zu weit und fordert “Wer betrügt, der fliegt”. Die Kampagne reiht sich ein in Entwicklungen des Einwanderungsdiskurs und europäischer Migrations- und Armutspolitiken, die sich vor dem Hintergrund aktueller Krisendynamiken vollziehen. Chiffren dieser Debatten sind „kluge Köpfe“ sowie „Wirtschafts-“ und „Armutsmigranten“. In Bezug auf aktuelle Diskussionen um „Armutsmigration“ ist es wichtig, die dominanten Zuschreibungs- und Repräsentationspraxen in den Blick zu nehmen, weil dadurch bestehende Ungleichheiten plausibilisiert werden. Eine Kritik, die sich darauf beschränkt, läuft allerdings Gefahr, der Reichweite des Rassismus als sozialem Herrschaftsverhältnis nicht
gerecht zu werden, denn es drohen Klassenverhältnisse und aktuelle Prozesse autoritärer Migrations- und Armutspolitiken aus dem Blick zu
geraten.

[08.01.2015] Die europäische extreme Rechte nach der EU-Wahl.

Referent: Andreas Speit
Raum: Von-Melle-Park 5 (WiWi-Bunker) Hörsaal A
Donnerstag, 08. Januar 2014, 18:30 Uhr

Bei der Europawahl 2014 gelang es verschiedensten Parteien des rechten Rands aus zahlreicher europäischer Ländern in das Europaparlament. Seit Jahren eint diese Parteien und Bewegungen zwischen Rechtspopulismus und Neonazismus das Nein zur Europäischen Union. Ein Nein zur EU bedeutete aber kein Nein zur Europawahl. In Brüssel wollen sie sich gegen das »Völkergefängnis«, das »Bürokraten, Wirtschaftslobbyisten und Einwanderungsideologen errichtet« hätten, einsetzen. Dabei greifen Sie bestehende Sorgen wegen des Euro sowie der europäischen Finanzpolitik auf. Ebenso versuchen sie sich verfestigende Ängste und rassistische Ressentiments gegenüber Migrant_innen und einer islamischen Kultur in Europa zu nutzen. Von den gesellschaftlichen Rändern bewegen sich auch subkulturelle Netzwerke zur Mitte der Politik. Wie viel Gefahr droht Europa von rechts?